[Philnet] Adorno and Auschwitz
Frederik van Gelder
Gelder@EM.UNI-FRANKFURT.DE
Mon, 24 Jun 2002 20:29:33 +0200
For some reason this bounced when I sent it to the list.
fvg.
> I wonder if anyone can tell me the precise location of Adorno's
> comment that it is impossible to write poetry/produce art after
> Auschwitz? Much quoted, but apparently from a little-known piece of
> writing.
> From: Andy Hamilton
> Dept. of Philosophy
> Durham University
> Durham DH1 3HP
> UK
Original quote in *Prisms*, 1955, MIT Press. Reprinted London, 1967.
It's a misquote, in as much as it's a phrase inside of a sentence
which is usually left out:
"The critique of culture is confronted with the last stage in the
dialectic of culture and barbarism: to write a poem after Auschwitz is
barbaric, and that corrodes also the knowledge which expresses why it
has become impossible to write poetry today."
Adorno came back to this topic on three different occasions: in the
Negative Dialectics, in Ohne Leitbild, and in Noten zur Literatur IV.
Page references are to the Gesammelte Schriften, where more details
can be found:
Original: Prismen, vol. 10a, p. 30.
Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur
und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist
barbarisch, und das frißt auch die Erkenntnis an, die ausspricht,
warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben. (1955)
Negative Dialektik, 06, p. 355/356:
Das perennierende Leiden hat soviel Recht auf Ausdruck wie der
Gemarterte zu brüllen; darum mag falsch gewesen sein, nach Auschwitz
ließe kein Gedicht mehr sich schreiben. Nicht falsch aber ist die
minder kulturelle Frage, ob nach Auschwitz noch sich leben lasse, ob
vollends es dürfe, wer zufällig entrann und rechtens hätte umgebracht
werden müssen.
Ohne Leitbild, 10a, p. 452/453:
Weniger stets verträgt jener Schein sich mit dem Prinzip rationaler
Materialbeherrschung, dem er die gesamte Geschichte von Kunst hindurch
sich verband. Während die Situation Kunst nicht mehr zuläßt - darauf
zielte der Satz über die Unmöglichkeit von Gedichten nach Auschwitz -,
bedarf sie doch ihrer. Denn die bilderlose Realität das vollendete
Widerspiel des bilderlosen Zustands geworden, in dem Kunst
verschwände, weil die Utopie sich erfüllt hätte, die in jedem
Kunstwerk sich chiffriert.
Noten zur Literatur IV, vol.11, p. 603
Der Satz, nach Auschwitz lasse kein Gedicht mehr sich schreiben, gilt
nicht blank, gewiß aber, daß danach, weil es möglich war und bis ins
Unabsehbare möglich bleibt, keine heitere Kunst mehr vorgestellt
werden kann.
best,
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Dr. Frederik van Gelder
Institut fuer Sozialforschung
Frankfurt University
Senckenberganlage 26 60325
Frankfurt am Main
gelder@em.uni-frankfurt.de
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